Starker Ovtcharov bringt Weltmeister Ma Long in Bedrängnis / Titel für Xu Xin und Chen Meng / Mehr als 12.000 Besucher

Starker Ovtcharov bringt Weltmeister Ma Long in Bedrängnis /
Titel für Xu Xin und Chen Meng / Mehr als 12.000 Besucher

Magdeburg. Die herausragend besetzten German Open in Magdeburg endeten mit Triumphen in den Einzelwettbewerben für die Chinesen Xu Xin und Chen Meng. Insgesamt gingen vier von fünf Titeln an das Reich der Mitte. Eine positive Bilanz zogen auch die Gastgeber: Mehr als 12.000 Zuschauer besuchten den weltmeisterschaftsreif besetzen Auftakt der World Tour 2020 in der GETEC-Arena, zudem gewannen Dimitrij Ovtcharov (Einzel), Nina Mittelham/Petrissa Solja (Doppel) sowie Patrick Franziska/Solja (Mixed) drei Bronzemedaillen für den Deutschen Tischtennis-Bund (DTTB).

Roßkopfs Auszeit brachte die vorübergehende Wende

Nur allzu gerne hätte Dimitrij Ovtcharov bei den German Open nach den Erfolgen in den Jahren 2014 und 2017 zum dritten Mal in Magdeburg im Einzel triumphiert. Verhindert hat dies kein Geringerer als der dreimalige Einzel-Weltmeister Ma Long: Der Olympiasieger von Rio beendete den Siegeszug des deutschen Weltranglistenelften am Schlusstag mit einem 4:2-Erfolg im Halbfinale und bleibt damit gegen den Europe-Top-16-Gewinner weiterhin ohne Niederlage.

„Ich bin sehr glücklich. Das war ein schweres Spiel“, verriet ein sichtlich erleichterter Ma Long in bestem Englisch im Interview, während Ovtcharov zusammen mit Bundestrainer Jörg Roßkopf bereits das Match zu analysierte. Der dreimalige German-Open-Sieger hatte schnell einen Grund für die Niederlage ausgemacht. „Ma Long verfügt über viele Aufschlagvarianten. Ich habe mir zu viele Rückschlagoptionen offengehalten und mich damit selbst irgendwie verwirrt. Einfache Lösungen bringen manchmal wohl doch mehr als zu große Variabilität.“

Ovtcharov erwischte einen glatten Fehlstart und verlor den ersten Durchgang nach nur fünf Minuten mit 3:11. Mitte des zweiten Satzes fand der Weltranglistenelfte zwar besser in die Partie, doch auch Durchgang zwei ging mit 11:9 an den Chinesen. Seine kämpferischen Qualitäten stellte der World-Cup-Gewinner von 2017 aber nach einer Auszeit von Roßkopf beim Stand von 2:5 in Satz drei unter Beweis. Ovtcharov anschließend: „Das war ein gutes Time Out. Ein, zwei taktische Dinge hat mir Rossi mit auf den Weg gegeben. Ich habe zudem den Aufschlag gewechselt. Das hat mich zurück ins Spiel gebracht.“ Roßkopfs Auszeit machte Ovtcharov nicht nur stärker, sie unterbrach auch den Rhythmus des bis dahin dominierenden Chinesen, der fortan immer mehr mit sich haderte. Mit seinem vierten Satzball zum 13:11 gelang Ovtcharov der Anschluss, wenige Minuten und zahlreiche spektakuläre Ballwechsel später holte sich der Olympiadritte von London 2012 mit 15:13 sogar den Satzausgleich.

Netz- und Kantenbälle sorgten für die Vorentscheidung

Die 3.200 Zuschauer verwandelten zwar anschließend wie am Vortag beim Sieg Ovtcharovs im Viertelfinale über Chinas Weltranglistenersten Fan Zhendong die GETEC-Arena in einen Hexenkessel. Doch Ovtcharovs Gegner bewahrte in der Hitze des Gefechts einen kühlen Kopf und sicherte sich Durchgang fünf mit 11:3. In der entscheidenden Phase des sechsten Satzes hatte der fünfmalige German-Open-Gewinner dann zudem das Glück des Tüchtigen auf seiner Seite. Nach Ovtcharovs 4:2-Führung kippte die Partie beim Stand von 5:6, als der Chinese mit Hilfe von zwei glücklichen Kanten- und Netzberührungen auf 8:5 vorentscheidend davonzog. „Diese beiden Bälle haben meinen Spielfluss gebrochen. Im siebten Satz wäre alles möglich gewesen“, haderte der 31-Jährige Ovtcharov nach dem Match mit dem Schicksal.

Magdeburger Zuschauer wie die Dortmunder Südkurve

Ovtcharovs Fazit fiel dennoch positiv aus: „Ich habe gegen Ma Long diesmal an den Sieg geglaubt, und ich kann einige wichtige Lehren aus der Partie ziehen.“ „Vielleicht kommt noch das allerwichtigste Spiel gegen ihn in diesem Jahr irgendwann – vielleicht ja bei der Team-WM oder bei Olympia.“ Bundestrainer Jörg Roßkopf war mit der Leistung seines Schützlings zufrieden: „Dima hat ein tolles Turnier gespielt. Die Leistungen von Dima geben sehr viele Hoffnungen für die kommenden Aufgaben.“ Ein Sonderlob hatte Ovtcharov nach seinem Ausscheiden noch für das Publikum parat. „Die Zuschauer standen heute wieder hinter mir wie die Südtribüne hinter Borussia Dortmund. Die Stimmung war ganz toll. Schade, dass wir nicht häufiger nicht in Magdeburg spielen. Ich freue mich schon jetzt auf das nächste Turnier in der GETEC-Arena.“

Einzeltitel für Xu Xin und Chen Meng / Dreimal Bronze für DTTB

Im Endspiel allerdings musste sich Ma Long, der in der Runde der besten 32 gegen Dang Qiu (Grünwettersbach) gewonnen hatte, seinem Landsmann Xu Xin geschlagen geben, der sich nach Finalniederlagen 2019 (gegen Fan Zhendong) und 2018 (gegen Ma Long) erstmals den Titel bei den German Open sicherte. Der 30-jährige Weltranglistenzweite hatte sich gestern bereits den Sieg im Mixed-Wettbewerb an der Seite von Liu Shiwen gesichert. Im Damen-Einzel sicherte sich Chen Meng das Preisgeld in Höhe von 35.000 Dollar. Die Nummer eins der Welt ließ im Endspiel Olympiasiegerin Ding Ning keine Chance und holte sich damit ebenfalls den zweiten Titel in Magdeburg: Gestern hatte sich Chen im Doppel zusammen mit Wang Manyu durchgesetzt. Vier Titel gingen damit zum World-Tour-Auftakt an das Reich der Mitte, den kompletten Triumph verhinderten die Südkoreaner Choo Daesong/Jang Woojin mit ihrem Sieg im Herren-Doppel.

Deutschland gewann in Magdeburg außer durch Dimitrij Ovtcharov auch durch die Kombinationen Nina Mittelham/Petrissa Solja und Patrick Franziska/Petrissa Solja im Damen-Doppel sowie im Mixed zwei weitere Bronzemedaillen. Rekordeuropameister Timo Boll (gegen den Weltranglistenersten Fan Zhendong) und Benedikt Duda (gegen den Chinesen Zhao Zihao) unterlagen ebenso im Achtelfinale wie Petrissa Solja gegen die Chinesin Chen Meng.

DTTB-Sportdirektor Prause: „Sehr, sehr gute Ergebnisse“

Nach der WM+, die German Open waren besser besetzt als Weltmeisterschaften oder gar die Olympischen Spiele, sprach Sportdirektor Richard Pause angesichts gleich dreier Halbfinalteilnahmen von einem „sehr, sehr guten Ergebnis aus deutscher Sicht“. Insgesamt gingen 23 DTTB-Starter in Magdeburg an den Start, darunter auch Spieler der nächsten übernächsten Generation. Die aktuell dominierende Generation bot teilweise starke Auftritte. Prause: „„Hut ab vor den Leistungen der Damen und Herren. Timo Boll, Dimitrij Ovtcharov und Patrick Franziska sind auf einem sehr guten Weg.“ Die im vergangenen Jahr in Budapest gewonnene WM-Bronzemedaille mit Petrissa Solja sei Franziska „kein Zufall gewesen“. Auch im Damen-Bereich sah der Sportdirektor einige positive Aspekte. „Solja befindet sich auf einem sehr guten Weg und hat mit Nina Mittelham ein tolles Doppel gespielt. Es gibt wenig zu meckern.“

Mehr als 12.000 Zuschauer verfolgen die Spiele in der GETEC-Arena

Sehr erfreut zeigte sich DTTB-Präsident Michael Geiger über die Zuschauerresonanz. Über 12.000 Fans strömten an den sechs Tagen in die GETEC-Arena. „Das ist ziemlich genau die Zahl, die wir auch im Jahr 2017 hier erreicht hatten.“ Mit einem derart großen Interesse hatte Geiger im Vorfeld nicht gerechnet, „denn schließlich fanden erst noch vor drei Monaten die German Open in Bremen statt. Die Zahl ist grandios und liegt über unseren Erwartungen.“ Auch der lokale DTTB-Partner in war sehr zufrieden. „Durch die German Open wollten wir vor allem die Kinder für unseren Sport begeistern“, erklärte Konrad Richter, Präsident des Tischtennis-Verbandes Sachsen-Anhalt. „Über 800 Kinder und Jugendliche haben den kostenfreien Eintritt am so genannten U18-Tag genutzt. Mit einem solch großen Zuspruch hatten wir nicht gerechnet.“ Richter dankte ausdrücklich den 165 freiwilligen Helferinnen und Helfern, die beim Turnier im ehrenamtlichen Einsatz waren. „Ohne die vielen tollen Volunteers wäre es gar nicht möglich gewesen, eine solche Großveranstaltung zu organisieren.“

DIE ERGEBNISSE DES FINALTAGES IN DER ÜBERSICHT

Damen-Einzel
Finale

Chen Meng CHN – Ding Ning CHN 4:1 (-3,1,7,3,1)
Halbfinale

Chen Meng CHN – Zhu Yuling CHN 4:0 (10,2,8,13)
Ding Ning CHN – Wang Manyu CHN 4:2 (-2,-9,8,8,1,8)

Herren-Einzel
Finale
Xu Xin CHN – Ma Long CHN 4:0 (13,8,7,5)
Halbfinale

Dimitrij Ovtcharov GER – Ma Long CHN 2:4 (-3,-9,11,13,-3,-6)
Xu Xin CHN – Lin Gaoyuan CHN 4:0 (6,6,4,8)

Zu den Ergebnissen auf der ITTF-Webseite

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